Archiv der Kategorie ‘Challenge Mobilität‘

So klein ist die Welt

Donnerstag, den 21. August 2008

Nach mehreren anstrengenden Wochen gepackt mit viel Arbeit, verbanden eine Freundin und ich den Termin in Pertisau mit einem Swiss-Trac Ausflug.

Wir hatten vor in die Gramei zu gehen/fahren. Leider wurde der Weg zunehmend schlechter. Wir hatten ein Bachbett zu queren. Und obwohl ich bisher nur ganz selten mit dem Swiss-Trac stecken blieb - ging nichts mehr. Wie es der Zufall will, stand ein Helfer neben dem Bach und half uns.

Am anderen Ufer dieses ausgetrockneten Baches angekommen, sagte er in schweizer Dialekt: “Sind Sie zufrieden mit dem Gerät?” Ich, “ja, danke, der Swiss-Trac hat mein Leben unheimlich bereichert und ermöglicht sensationelle neue Möglichkeiten für uns Rollstuhlfahrer.” Darauf er ganz cool: “Die baut mein Bruder”. - Jeder kann sich vorstellen, dass ich in diesem Moment sprachlos war!

Der Tag selbst, war wunderschön und sehr sehr entspannend. Vielen Dank auch an meine Begleiterin.

Noch was! Für alle Swiss-Trac FahrerInnen die mitlesen. Vom Parkplatz Pertisau geht ein ausgezeichneter asphaltierter Wanderwerg bis zum Gasthaus Falzturn (gemütl. 50 min.). Will man in die Gramei, muss man 800 m vor Falzturn auf die Straße wechseln (weitere 45 min.).

Zur Aufklärung: Das ist ein Swiss-Trac.

swisstrac.jpg

Die Toskana neu erlebt

Montag, den 16. Juni 2008

Ich bin mir nicht sicher, ob ich es in diesem Blog bereits erwähnt hatte, dass ich vor einiger Zeit mehrere Jahre in der Toskana lebte. Ich wohnte im schönsten Teil. Der südlichen Toskana in der Zone zwischen Montalcino und Pienza.

Eben dort, wo jeder vom Land, von den Leuten und den kulinarischen Highlights schwärmt und wo alle Dörfer so “schön”, “nett” und “lieblich” auf Hügeln erbaut sind. Das grobe Kopfsteinpflaster habe ich vergessen! Also alle Eigenheiten, die wir Rollstuhlfahrer so sehr schätzen! ;-)

Sieben Jahre danach war ich jetzt einige Tage mit einer Freundin an den Orten, wo ich zuvor wohnte und arbeitete.

Erstmals hatte ich meinen Swiss-Trac dabei. Der Swiss-Trac war in Bezug auf Mobilität eine absolute Bereicherung. Ich konnte erstmals alle Winkel und Aussichtspunkte in diesen “schönen”, “netten” und “lieblichen” auf Hügeln erbauten Orten erreichen, die ich bisher nur aus Erzählungen kannte. Jeder Besuch dieser Orte war ein Kraftakt allerhöchster Kategorie für die Begleitperson und für den Rollstuhl- fahrer selbst und wurde deshalb ziemlich eingeschränkt.

swisstrac.jpgAuch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Für mich ist der Besitz eines Swiss-Trac DIE Bereicherung in der Freizeit für Rollstuhl- fahrer.

Wir müssen draußen bleiben - Teil 1

Donnerstag, den 12. Juni 2008

Das Kaisertal ist eines der schönsten Naherholungsgebiete für uns Kufsteiner, für die Tiroler und die Deutschen Nachbaren okkupieren es ohnehin seit Jahren und sehen es als “deren” Kaisertal an.

Über Jahre hinweg wurde eine angeregte Diskussion geführt, ob man den Bewohnern dieses Tals eine Zufahrt errichten sollte oder nicht. Pro und Kontra wurde abgewogen. Schlussendlich wurde unter massiven Prodesten des “Deutschen Alpenverein” doch eine Zufahrt in Form eines Tunnels errichtet.

Damit nicht jeder diese neu errichtete Straße befährt und die Natur gewahrt bleibt, wird die Zufahrt durch einen Schranken verhindert. Nur Bewohner des Kaisertals und Einsatzfahrzeuge sollten einen Schlüssel für den Schranken erhalten.
Lustiges Detail am Rande: Obwohl der Deutsche Alpenverein sich ausdrücklich gegen die Errichtung einer Straße ausgesprochen hat, wurden jetzt 3 Genehmigungen in Form von Schlüsseln beantragt. ;-)

draussen01.jpgIch bin gespannt, ob wir Rollstuhlfahrer in Zukunft durch den Tunnel fahren dürfen, um die Schön- heiten dieser Region ge- nießen zu können. Eine Anfrage habe ich bereits gestellt. Mal sehen was rauskommt. Einem Kolle- gen von mir wurde die Zufahrt bereits verwehrt.

Anscheinend gilt für Rollstuhlfahrer vorerst: Ihr müsst draußen bleiben! Mal sehen wie es weitergeht. Ich schreibe drüber, das ist sicher!

Mein nächster Urlaub

Donnerstag, den 27. März 2008

wird es noch nicht sein. Jedoch einer der folgenden. Ich weiß irgendwann werde ich mir ein Wohnmobil, Expeditionsfahrzeug bauen lassen, das exakt auf meine Bedürfnisse und meinen Alltag angepasst ist.

Neben den Bedürfnissen des normalen Tagesablauf möchte ich Natur erleben und abseits der normalen Straßen Natur pur genießen und stehen bleiben können. Die bevorzugten Ziele werden dabei hauptsächlich im europäischen Norden liegen.

Dank Internet habe ich mich bereits schlau gemacht und kenne die führenden Hersteller dieser Fahrzeuge. Einer dieser Hersteller hat bereits ein Fahrzeug für einen Rollstuhlfahrer adaptiert.

Die Hersteller lauten:

Natürlich kann ich noch nichts über die Qualität dieser Hersteller von Expeditionsfahrzeugen sagen, aber über den Kundenservice werde ich nach den ersten Erfahrungen berichten.

Dann gehts an den Führerschein. Es ist spannend und bleibt spannend!

Behindertengerechter Fahrzeugumbau

Donnerstag, den 20. März 2008

Seit über 20 Jahren sitze ich nun im Rollstuhl. Seit 18 Jahren fahre ich selbst mit dem Auto und wenn ich alle zurückgelegten Kilometer zusammenzähle, habe ich - kurz überschlagen sicher über 500.000 km abgespult.

Eines der unbestrittenen Hauptkriterien bei der Kaufentscheidung für ein Fahrzeug ist die Zuverlässigkeit und der Aftersaleservice. Was hilft der schönste Umbau wenn er nicht funktioniert, weil die Elektronik nicht funktioniert wenn hohe Luftfeuchtigkeit herrscht. Oder die Rampe, die ins Fahrzeug führt nicht ausfährt. Oder Hupe und Scheibenwischer von selbst aktiv werden sobald man über den Brenner fährt. Oder … - ich glaube, ich hab sie mittlerweile alle durch, - die Möglichkeiten meine ich!

Bezüglich behindertengerechter Umbauten hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan. Gerade die Firma PARAVAN muss hier als sehr innovativ erwähnt werden. Als größter Konkurrent von PARAVAN ist die Firma Haag zu sehen. Wobei in diesem Fall groß der falsche Ausdruck ist. Die Firma Haag zeichnet sich durch sehr gewissenhafte Arbeit aus.

Aber was bei keiner dieser beiden Firmen funktioniert hat, ist der Service danach. Konkret hatte ich vor einigen Wochen ein Problem mit der Fernsteuerung. In meinem Fall öffnet die Fernsteuerung die Schiebetür. Die Rampe klappt heraus und senkt sich ab.

Seit drei Wochen warte ich nun auf einen Ersatzteil der € 100,– kostet. Ich behaupte und mit dieser Meinung bin ich nicht alleine, es sollte jedem Unternehmen möglich sein, einen so wichtigen Ersatzteil am Lager zu haben und diesen innerhalb von 48 Stunden zu versenden. Ok sagen wir 72 Stunden , aber mehr nicht.

Nachgerechnet stellt die Fernsteuerung einen Wert von 0,15 % des Kaufpreises dar. Angenommen, diese Firma hat mit mir einen Rohgewinn von € 5.000,– gemacht, und seit Bezahlung am Konto liegen, hätten bereits durch die Zinsen 3,5 Fernsteuerungen finanziert werden können. Ganz abgesehen, dass für Garantien Rückstellungen gebildet werden. Zusätzlich wird die Garantie ohnehin auf deren Lieferanten abgewälzt. Damit hat sich die Firma Haag nicht ausgezeichnet!

Zum Schluss sehe ich es als meine Pflicht an, zu erwähnen, dass der Umbau nun seit mehr als zwei Jahren tadellos funktioniert, was beim Umbau der Firma PARAVAN leider nicht der Fall war. Aber ich werde mir wieder ein Fahrzeug kaufen, und dann können Sie das Gegenteil beweisen.

Noch was zum Schluss: Wenn man übrigens in München von der Feuerwehrzone abgeschleppt wird und dann mitten in der Nacht 3,5 Stunden bei Minusgraden mit dem Rollstuhl unterwegs ist, können die Lieferanten nichts dafür. ;-)